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Quelle: ftd.de

Firmen umwerben Patienten als Kunden

Der Wettbewerb um die Gesundheit nimmt in Deutschland zu. Experten sehen die Gesundheitsbranche als dynamischen Wirtschaftsmarkt.

Um die Gesundheit der Deutschen ist ein Wettstreit ausgebrochen. Ärzte und Apotheker, Kliniken und Krankenkassen, Wunderheiler und Wellnessanbieter wollen ihren Anteil an einem Markt sichern, der bereits jedem neunten Arbeitnehmer in Deutschland einen Job verschafft und der mit 234 Mrd. Euro elf Prozent der Jahreswirtschaftsleistung der Bundesrepublik erzielt.

Experten sehen die Gesundheitsbranche als dynamischen Wirtschaftsmarkt. Doch um das Potenzial auszuschöpfen, müssten Krankenhausmanager und Pharmavertreter mehr wie Unternehmer handeln, meint der Vorstandssprecher des Hamburger Klinikkonzerns LBK, Heinz Lohmann: "Das Gesundheitswesen muss lernen, was in anderen Branchen längst üblich ist: Wettbewerb, Marketing, Management."

Vorbild Hamburg

Vielerorts wird versucht, solche Ratschläge umzusetzen. "Der Trend geht zu einer Vernetzung der Akteure, sowohl bei der Information als auch bei der Behandlung der Patienten", sagt der Hamburger Unternehmensberater Ulrich Wandschneider. Kliniken seien bestrebt, "mehr aus einer Hand zu liefern" - und würden dazu häufig privatisiert. So etwa die Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken, die unter einem Dach Krankenhaus und Apotheke, Ergotherapie und Sozialdienst, Aus- und Fortbildung vereinen.

Oder die Gesundheit Nordhessen Holding, ein Verbund aus Kliniken, Reha-Zentrum und Pflegeheim. Als Vorbild für erfolgreiches Klinikmanagement gilt der Landesbetrieb Krankenhäuser in Hamburg: In den sieben LBK-Kliniken wurden seit 1997 Verwaltung und Einkauf, Logistik und Labor zentralisiert. Von 16.000 Mitarbeitern blieben 12.000, auch die Kosten wurden um ein Viertel gedrückt. Ersparnis bisher: 650 Mio. Euro.

Wettbewerb bringt auch Nachteile

In Mecklenburg-Vorpommern wird gar versucht, alle Angebote der Gesundheitsbranche zu bündeln - vom Facharzt über wissenschaftliche Studien bis zum Wellnesshotel. Seit März gibt es dort ein "Projektbüro Gesundheitswirtschaft". Dessen Leiterin Karin Timmel erläutert: "Wir wollen buchbare Gesundheit er-möglichen." Callcenter sollen dort künftig umfassend über die regionale Gesundheitsbranche informieren. Ähnliche Netzwerke gibt es in Bremen und Nordrhein-Westfalen.

Doch der Wettbewerb hat Grenzen. "Die Spielräume sind relativ eng, weil das System auf die Finanzierung von Krankheit ausgelegt ist, auf Reparatur von Gesundheit statt auf Prävention", sagt Karin Timmel. Der Gesundheitsexperte Gerd Glaeske warnt vor Nachteilen für die Patienten, die viele als Kunden gewinnen wollen: "Mehr Wettbewerb bringt mehr Qualität und Transparenz, aber es wird zunehmend Angebote geben, die mit notwendiger medizinischer Versorgung nichts zu tun haben: von unseriös bis unnötig." (Jörn Bender, dpa) / (jk/c't)